Nahinfrarotspektroskopie (NIRS)
Die Nahinfrarotspektroskopie (englisch Near-infrared Spectroscopy, NIRS) ist eine spektroskopische Methode, die den nahen Infrarotbereich des elektromagnetischen Spektrums abdeckt. Im Bereich der Fettverarbeitung dient sie der schnellen Analyse verarbeiteter tierischer Proteine.
Die Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) ist eine spektroskopische Methode, die den nahen Infrarotbereich des elektromagnetischen Spektrums (800–2500 nm) abdeckt. Im Gegensatz zur Mittelinfrarotspektroskopie kann NIRS viel tiefer in eine Probe eindringen. Diese zerstörungsfreie, leistungsstarke Analysetechnik wird in der Futtermittelindustrie eingesetzt, um die Zusammensetzung und Qualität von verarbeitetem tierischem Protein zu beurteilen und so die Einhaltung von Industriestandards sicherzustellen.
Wie funktioniert NIRS?
Bei der NIRS wird der Reflexionsgrad von Nahinfrarotlicht einer Probe gemessen. Wenn Infrarotlicht auf eine Probe gerichtet wird, absorbieren die verschiedenen Molekülbindungen in der Probe bestimmte Lichtwellenlängen. Das resultierende Reflexionsspektrum kann analysiert werden, um die Zusammensetzung und Eigenschaften der Probe zu bestimmen. Zu den wichtigsten Aspekten von NIRS gehören:
-
Geschwindigkeit und Effizienz: NIRS liefert schnelle Ergebnisse – oft in weniger als einer Minute. Dies ist ideal für Umgebungen mit hohem Probenvolumen.
-
Zerstörungsfreiheit: Diese Technik zerstört die Probe nicht und ermöglicht bei Bedarf eine weitere Analyse.
-
Minimale Probenvorbereitung: Sie erfordert nur wenig oder keine Probenvorbereitung, was den Analyseprozess vereinfacht.
Anwendung von NIRS auf verarbeitete tierische Proteine
NIRS ist besonders nützlich bei der Verarbeitung und Qualitätskontrolle tierischer Proteine. Zu ihren Anwendungen gehören:
-
Zusammensetzungsanalyse: NIRS kann den Proteingehalt verarbeiteter tierischer Proteine genau messen und so sicherstellen, dass sie den Ernährungs- und Regulierungsstandards entsprechen.
-
Qualitätskontrolle: Sie gewährleistet die Konsistenz der Zusammensetzung zwischen einzelnen Chargen verarbeiteten tierischen Proteins, was für die Aufrechterhaltung der Produktqualität und Kundenzufriedenheit von entscheidender Bedeutung ist.
-
Einhaltung gesetzlicher Vorschriften: Sie hilft zu überprüfen, ob verarbeitete tierische Proteine den EU-Vorschriften und -Standards entsprechen, beispielsweise in Bezug auf den Nährstoffgehalt und die Abwesenheit schädlicher Substanzen.
Vorteile des Einsatzes von NIRS
Der Einsatz von NIRS bei der Analyse verarbeiteter tierischer Proteine bringt mehrere Vorteile mit sich:
-
Genauigkeit: Sie liefert genaue und zuverlässige Daten über die Zusammensetzung tierischer Proteine.
-
Kosteneffizienz: Sie reduziert den Bedarf an teureren und zeitaufwändigeren Analysemethoden.
-
Echtzeitüberwachung: Sie ermöglicht Echtzeitüberwachung und Anpassungen während der Verarbeitung tierischen Proteins und erhöht so die Gesamteffizienz.
NIRS ist eine Sekundärmethode, und was das in der Praxis bedeutet
NIRS misst keinen Proteingehalt. Es misst ein Spektrum und berechnet den Gehalt daraus nach einer Kalibrierung, die gegen eine Referenzmethode aufgebaut wird, beim Protein gegen Kjeldahl. Die Kalibrierung gilt dabei nur für die Materialart, an der sie entstanden ist: Ein Modell, das an einem Mehl aufgebaut wurde, liefert bei einem anderen Rohstoff Zahlen, die plausibel aussehen und nicht stimmen.
Praktisch folgt daraus zweierlei. Für die laufende Chargenkontrolle ist NIRS ideal, weil es das Ergebnis in einer Minute liefert und die Probe nicht zerstört. Sobald es aber um einen Streit über einen Parameter oder um eine amtliche Kontrolle geht, entscheidet die Referenzmethode: Die Untersuchungsmethoden für die Futtermittelkontrolle legt die Verordnung (EG) Nr. 152/2009 fest, und NIRS gehört nicht dazu.
Deshalb lohnt es sich, den Lieferanten nicht nur nach der Zahl zu fragen, sondern auch danach, mit welcher Methode sie entstanden ist.